Abschied von Günter Müller – Maler Jonathan

Maler Jonathan
Unser langjähriges Mitglied Maler Jonathan, mit bürgerlichem Namen Günter Müller, ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Bildende Kunst im Landkreis eine ihrer prägenden Figuren.

 

 

 

 

Nachruf (Heinz-Peter Lehmann)

Über viele Jahrzehnte war Maler Jonathan nicht nur in der Region, sondern auch international als Kunstmaler aktiv und erfolgreich. Er war Mitglied des Kunstvereins Spectrum, den er 1984 mit Gleichgesinnten in Rednitzhembach gründete, langjähriger Vorsitzender und Ehrenmitglied.

Günter Müller wird am 7. April 1934 Nürnberg-Maxfeld geboren, er ist 5 Jahre als der 2. Weltkrieg beginnt und 11 als dieser endet. Seine Kindheitsjahre sind geprägt von diesem Krieg und seinen schlimmen Ereignissen. In der verheerenden Bombennacht am 2. Januar 1945 wird er verschüttet. In Nürnberg absolviert er eine Lehre zum Maler und Lackierer, 1953 wird sein Sohn Peter geboren. Um in dieser schwierigen Zeit seine Familie ernähren zum können, verpflichtet er sich von 1956 bis 1964 zur Bundeswehr. 1965 legt er seine Meisterprüfung an der Werkkunstschule in Augsburg ab und gründet in Wendelstein seinen eigenen erfolgreichen Malerbetrieb für Wände und Fassaden. Drei Jahre ist er als Lehrer an der Berufsschule in Roth tätig, Die Handwerkskammer Mittelfranken zeichnet ihn mit dem „goldenen Meistertitel“ aus.

Nach einem Studium zum Kunstmaler in München bei Professor König wendet er sich verstärkt der Malerei zu. Durch einen tragischen Unglückfall verliert er seine Ehefrau 1977 nach 24 gemeinsamen Jahren. 1979 heiratet er seine zweite Frau und wird Vater von zwei weiteren Söhnen.

Das Malen nimmt mehr und mehr Platz in seinem Leben ein,
seinen Malerbetrieb betrachtet er zunehmend nur noch als notwendigen Broterwerb. „Mit 50 hör ich auf“ nimm er sich vor und setzt dies mutig um. Die Gründung des Kunstvereins Spectrum 1984 ist dann quasi eine Initialzündung auf dem neu eingeschlagenen Weg. Günter Müller nimmt als Künstler erfolgreich an Ausstellungen teil. In dieser Zeit kommt er zu seinem Künstlernamen „Jonathan“, oder, wie er selbst sagt: „Der Name kam zu mir!“ Auslöser ist die Lektüre des Buchs „die Möve Jonathan“, in dem sich diese von ihren Artgenossen entfernt und ihr Fliegen
zunehmend als Kunst und nicht mehr nur als Werkzeug zur Nahrungssuche versteht.

„Frei wie die Möve Jonathan will ich in meiner Kunst sein!“ ist von nun an das Lebensmotto des Künstlers Maler Jonathan. Die Eheleute Müller trennen sich. Jonathan baut seinen ersten LKW zum Wohnmobil um, gestaltet ihn künstlerisch auffällig und ist von da an vor allem als Künstler unterwegs – vorwiegen in Richtung Süden.

In Comacchio an der italienischen Adria erwirbt er ein Haus als seinen Zweitwohnsitz, ist als Kunstmaler aktiv und verbringt dort mit seinen Söhnen so viel Zeit wie möglich.

1993 wird Maler Jonathan als Nachfolger von Manfred Schäf zum Vorsitzenden des Kunstvereins Spectrum gewählt und prägt „seinen Verein“ die folgenden sechs Jahre. Er beschreibt diesen in der Dokumentation zu dessen 40 jährigen Bestehens: „wir waren ein Haufen optimistischer Individualisten.“ In dieser Zeit erhält Spectrum das erste eigene feste Domizil auf der Burg Abenberg. Er initiiert die Kanal-Art – 10 Jahre in Folge wilde und zur Legende gewordene Ausstellungen an der Roßbrücke am Alten Kanal bei Wendelstein mitten in der Natur. Erst 2024 sind von diesen Ausstellungen Filmaufzeichnungen von 1994 wieder entdeckt worden, auf denen neben Günter Müller auch der gerade neu gewählte Landrat Herbert Eckstein und Wendelsteins Bürgermeister Wolfgang Kelsch zu sehen und zu hören sind.

Jonathan prägt die eindrucksvollen Ausstellungen und spektakulären Künstlerfeste in der seit 1992 eröffneten Kulturfabrik Roth.

1994 lernt er seine Inger kennen, sie heiraten 1998 und Günter Müller ist nun das „Oberhaupt“ einer vielköpfigen Patchworkfamilie mit 4 Söhnen, 2 Töchtern und einer wachsenden Zahl von Enkeln!

Im Jahr 2001 erfüllt sich Maler Jonathan einen Lebenstraum und erwirbt in Otranto in Süditalien eine Masseria mit einem großen Olivenhain. Zusammen mit seiner Ehefrau Inger entflieht der „Sonnenanbeter“ – so Müller über Müller – dem tristen sonnenarmen fränkischen Wetter und zieht an den Stiefelabsatz Italiens. Dort verbringt er 10 seiner glücklichsten und kreativsten Jahre mit seiner Frau unter der Sonne Süditaliens. Auf seinem eigenen Künstleranwesen in Mitten eines Olivenhains widmet er sich frei und nahezu grenzenlos seiner Kunst. Frei und grenzenlos wie seine Namenspatronin die Möve Jonathan!

Das Heimweh seiner geliebten Inger zieht beide zurück nach Franken. 2011 bezieht er sein Wohnhaus und Atelier in Schwabach, er verstärkt den Kontakt zu „seinem“ Kunstverein, zu seinen Kunden und Auftraggebern. 2019, zu seinem 85. Geburtstag, zeigt er eine große Jubiläumsausstellung im Gaswerk in Schwabach.

Dem gerade in den Spectrumvorstand gewählten Heinz-Peter Lehmann erklärt er, von nun an „langsamer treten“ zu wollen und keine Einzelausstellungen mehr zu geben. Zwischen den Eheleuten Müller und Lehmann entsteht in kurzer Zeit eine intensive Freundschaft. Angelika Neff-Lehmann – als Künstlerin NELE bei Spectrum aktiv – und Günter inspirieren sich gegenseitig als Künstler und entwickeln zunehmend gemeinsamen Aktivitäten.

Jonathan nimmt an der Ausstellung zum 35 jährigen Bestehens von Spectrum in der Kunstschranne in Weißenburg teil. Als der Kunstverein 2019 die Galerie „en passant“ in der Valentinpassage in Roth vorübergehend nutzen kann, ist Maler Jonathan bei den ersten Ausstellungen mit dabei.

Im selben Jahr startet Spectrum die 1. Kunst- und Kulturwoche „art meets art“ im Historischen Eisenhammer in Roth-Eckersmühlen. Im Folgejahr soll die idyllische Remise im Eisenhammer eigentlich abgerissen werden. Spectrum will diese unbedingt erhalten. Jonathan und NELE haben die Idee, die Wand des Gebäudes mit einem großformatigen Gemälde zu einem Kunstwerk zu machen.

Zusammen mit dem KV Spectrum können sie Landrat Eckstein von dem Vorhaben überzeugen. Das Gebäude wird saniert. Während der 2. Kunst- und Kulturwoche im Juli 2020 klettern Jonathan zusammen mit NELE und den Spectrumkünstlern Ina Schilling und Maximilian Peschke auf ein Baugerüst und erstellen vor einem staunenden Publikum ein 600 x 250 cm großes, sechsteiliges Wandbild – der 86 jährige Maler Jonathan ist der erste auf dem Gerüst. Viel Prominenz ist dabei, als das Kunstwerk der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Als der mit Spectrum befreundete Kunstkreis Jura 2023 in die Residenz nach Neumarkt einlädt, stellt Jonathan erstmals seine Bilder gemeinsam mit den Skulpturen seinen Künstlerfreundin NELE aus. Mit ihr realisiert er gemeinsam die Idee, seinen in den 1990er Jahren populären Mondkalender für das Jahr 2024 neu herauszubringen.

Zur großen künstlerischen Retrospektive anlässlich seines 90. lädt Günter erneut NELE ein, ihre Skulpturen gemeinsam mit seinen Bildern auszustellen. Bis zuletzt sind beide künstlerisch gemeinsam aktiv. Zur Jahresausstellung des KV Spectrum im letzten Oktober signierten beide ein Bild, das sie im Lauf des Jahres gemeinsam gemalt haben – ein bleibendes Vermächtnis.

Heinz-Peter Lehmann, die vergangenen sechs Jahre Vorsitzender des KV Spectrum und enger Freund Günter Müllers zum Künstler Jonathan: „Seine Bilder sind voll intensiver lebensbejahender Farbenfreude und fantasievoller Liebe zum Detail. Sie regen die Fantasie des Betrachters an und strahlen eine außergewöhnliche Lebensfreude aus. Er, der sich nie auf einen bestimmten Kunststil festlegen ließ, meinte, die Bezeichnung „surrealistischer Realismus“ könne am ehestens seine Kunst beschreiben.

Sein Leben war die Bestätigung der These, dass ein aktives Leben und Erleben von Kunst und Kultur nicht nur jung erhalten, sondern dem Geist ein freies und positives Denken verleihen und den Begriff Alter völlig in den Hintergrund treten lassen. Wir werden diesen großen Künstler und ganz besonderen Menschen in bleibender Erinnerung behalten“.

Interview mit dem Bayrischen Rundfunk, April 2025

Eins-zu-Eins-Der-Talk_Guenther-Mueller-Maler-im-doppelten-Sinn.mp3

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